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Der Vergleich mit anderen

Wieso werden Vergleiche zwischen sich selbst und der Next des narzisstisch geprägten Ex-Partners gezogen? Warum fühlt man sich dabei so schlecht und minderwertig?

Wieso wird die Ex des Ex-Partners zerfetzt und als eine schlimme Person bewertet? Warum fühlt man sich dabei überwiegend gut und auf eine gewisse Weise auch als die Bessere, als diejenige, die es besser macht als die Ex?

Warum steigert man sich in den Teufelskreis der Vergleiche und Bewertungen so sehr hinein?

Welche Rolle spielen dabei die Gefühle?

Hat der Ex-Partner wirklich einen so starken Einfluss darauf, wie man denkt und wie man handelt?

Der folgende Artikel deckt diese Fragen auf und vermittelt dir ein besseres Verständnis der unbewussten Gedanken und Handlungen.

Selbst wenn man mit jemandem tauschen könnte, wäre man ja wieder irgendjemand anders.

Der Wunsch nach akkurater Selbsteinschätzung, nach einem positiven Selbstbild und nach der Möglichkeit zur Selbstverbesserung bringt Menschen dazu, soziale Vergleiche mit anderen zu ziehen. Es entsteht die Möglichkeit, mit Hilfe von Vergleichsprozessen zu schnellen Selbsturteilen zu kommen und dabei kognitive Ressourcen zu sparen. Dabei spielt die Beseitigung von subjektiver Unsicherheit eine große Rolle, wie ein Sachverhalt zu bewerten ist.

 

Verschiedenste Faktoren beeinflussen, ob wir uns vergleichen, mit wem oder was wir uns vergleichen und welche Konsequenzen diese Vergleiche nach sich ziehen.

Personen oder Sachverhalte, mit denen sich ein Mensch vergleicht, werden auch als Vergleichsstandards bezeichnet. Dieser Vergleich bestimmt maßgeblich, wie Menschen sich selber einschätzen und wahrnehmen, ob es ihnen folglich gut oder schlecht geht, wie sie sich verhalten und ob sie motiviert sind, Dinge auszuprobieren oder Ziele zu verfolgen.

Es werden Assimilationseffekte und Kontrastbildung unterschieden.

Assimilationseffekte heben die Ähnlichkeit zwischen der vergleichsdurchführenden Person und ihrem Vergleichsstandard hervor. Dabei beinhaltet der Vergleichsstandard hier mittelgute bis mittelschlechte Leistungswerte auf bestimmten Dimensionen.

Kontrastbildung betont hingegen die Unähnlichkeit. Hier spielen extreme Leistungswerte auf der jeweiligen Dimension eine Rolle.

 

Das Modell der Aufrechterhaltung der Selbstbewertung besagt, dass die Person einen aufwärtsgerichteten sozialen Vergleich anwendet. Dies zeigt sich darin, dass sich die Person mit anderen vergleicht, die erfolgreicher sind.

Ob der Selbstwert erhöht oder belastet wird, hängt davon ab, ob die erfolgreicheren Vergleichspersonen einen Kontrasteffekt (Person fühlt sich schlechter) oder einen Assimilationseffekt (Person nimmt sich als den Erfolgreichen ähnlich wahr) auslösen.

Bei abwärts gerichteten sozialen Vergleich hingegen vergleicht sich die Person mit Personen, die weniger erfolgreich sind als sie. Hier stellt sich die Selbstwerterhöhung in den Vordergrund. Die eigene subjektive Unsicherheit kann also durch Vergleiche mit weniger glücklichen Personen oder mit Personen, denen es genauso schlecht geht wie den Beurteilern, erhöht werden.

Beide Vergleichsrichtungen können sowohl positive als auch negative Gefühle hervorheben. Doch empirische Befunde zeigen zusammenfassend, dass sich abwärts gerichtete soziale Vergleiche günstig auf die Stimmung und den Selbstwert auswirken. 

Die Vergleiche mit der Next können folgendermaßen interpretiert werden:

  • aufwärtsgerichtet und zugleich mit einer Prise Kontrasteffekt versehen.

Man vergleicht sich hier mit der *erfolgreicheren* Next und fühlt unbewusst aufwärtsgerichtet, da sie jetzt diejenige ist, die mit dem Narzissten eine schöne Zeit erlebt, nach der man sich ewig sehnte, aber nach der Honeymoon- Phase nicht mehr erleben durfte. Diese Gedanken, assoziiert mit der Next, führen dazu, dass man sich schlecht und minderwertig fühlt (Kontrasteffekt). Der Selbstwert wird schließlich belastet.

Später dann, nachdem man festgestellt hat, dass der Narzisst ein Narzisst ist, fällt der Kontrasteffekt weg und der Assimilationseffekt nimmt seinen Platz ein. Man fühlt sich mit der Next durch Ähnlichkeit verbunden. Sie wurde jetzt schließlich auch verlassen und ärgert sich über ihre Next. Zugleich bewertet man sich als Person wieder höher und fühlt sich besser, da der Narzisst die Next doch nicht besser behandelt hat. Manchmal kommt es auch vor, dass zwischen der Ex und der Next eine Bekanntschaft entsteht und man gemeinsam über die Marotten des gemeinsamen Narzissten schwatzt.

  

Die Vergleiche mit der Ex, zumindest anfangs, können so interpretiert werden:

  • abwärts gerichtet mit einer Prise Assimilationseffekt versehen.

Die Ex hat hier den Status der erfolglosen Person, da sie so schlimm mit dem Narzissten umgegangen ist und er sie folglich verlassen hat (so sagt er).

Der Narzisst kann alles behaupten, was er möchte. Doch hier sind tatsächlich die eigenen Bewertungen wichtig. Man möchte diese Ex einfach als eine erfolgslose und schlimme Person betrachten, unabhängig von der Aussage des Narzissten.

Ja, man selbst schafft sich diese Gedanken, aus reinem Selbstschutz. Zum Schutze des eigenen Selbstwertes. Zugleich hebt man sich selbst von der Ex ab. Die Handlungen folgen dann schnell zum Vorteil des Narzissten, wie beispielsweise, dass man dem Narzissten jeden Wunsch von den Augen abliest, immer für ihn verfügbar ist, ihm den ganzen Raum im eigenen Leben schenkt, einfach so, bedingungslos.

Doch auch hier kann es passieren, dass der Assimilationseffekt durch den Kontrasteffekt abgelöst wird. Vor allem in Situationen, in denen die Ex wieder eine Wichtigkeit im Leben des Narzissten bekommt. Der Selbstwert landet schließlich im Keller.

 

Auf diese Weise springen die Menschen mit ihren Gefühlen hin und her, je nach Bewertung der Situationen und fremder Personen, und Bewertung der eigenen Person und eigener Handlungen.

Das Wissen aus diesem Artikel kann jeder dazu nutzen, um immer wieder der Herr seiner Gedanken und Handlungen zu werden. Jeder hat die Möglichkeit, umzuswitchen, umzudenken, umzukehren, sobald klar wird, dass man wieder in alte Gedankenmuster und Handlungen fällt.

Niemand anders als man selbst steuert seine Gedanken, Handlungen und auch Gefühle.

Der Narzisst hat nur deshalb die Möglichkeit, einen anderen zu manipulieren, da dieser andere die wertvolle Macht und die Stärke des eigenen Willens dem Narzissten bedingungslos schenkt. Der Narzisst nimmt dieses großzügige Geschenk an und tritt es mit Füßen.

Er denkt sich:“ Wenn der andere mir so ein angeblich wertvolles Geschenk macht, ohne es selbst behalten und nutzen zu wollen, dann kann es auch nicht wertvoll sein“!

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