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Der Narzisst ist der Co-Narzisst und der Co-Narzisst ist der Narzisst

Eine wichtige Frage, die sich jeder stellen kann: Was hat das Ganze mit mir zu tun? Viel mehr, was trage ich mit meinem Denken und Verhalten dazu bei, dass ich dennoch die Art von Liebe erfahre und in mein Leben lasse, obwohl ich dies doch anders wollte. Da fiel mir ein Buch über das Spiegelgesetz in die Hände. Alles was ich also in mir herumtrage, sehe ich auch in meiner Welt. Die bewusste und unbewusste Aufmerksamkeit spielt eine große Rolle. Das Unbewusste scheint zunächst unsichtbar zu sein, doch mit ein wenig Mühe wird es immer klarer. Wichtig zu verstehen ist, dass beispielsweise ein Narzisst mir nicht mein wahres komplettes Ich spiegelt, sondern nur einen verdrängten Teil von mir. Es ist nur ein kleines Teilchen von mir selbst, welches ich mir genauer anschauen sollte. Ich sehe den Narzissten, weil ich mich selbst in ihm wiederentdecke, und umgekehrt.

Die ganze Welt ist ein Spiegel von uns. Wenn man das in der Tiefe verstanden hat, hat das enorme Auswirkungen auf einen selbst und auf andere. Das Gesetz der Anziehung gilt für alles und alle. Es gilt für alles, das existiert. Jeder Gedanke, den wir denken, jedes Gefühl, das wir fühlen, zieht ähnliche oder gleichartige Gedanken und Gefühle an. Es reicht schon aus, dass wir etwas aufmerksam betrachten. Dies erzeugt Gedanken und jeder Gedanke ruft entsprechende Gefühle und Schwingungsmuster hervor, ob bewusst oder unbewusst.

Menschliche Emotionen erzeugen Wirkungen. Wir sind jederzeit in der Lage, bestimmte Gefühle in uns zu erschaffen.

Wissenschaftliche Studien kamen zu dem Ergebnis, dass tiefe Liebe und Dankbarkeit die DNA zum Positiven verändert und das zeigt, dass wir Menschen die Kraft und die Fähigkeit haben, unsere eigene Realität zu erschaffen! Diese Kraft und Fähigkeit setzen wir auch in negativer Form um.

Durch das Spiegeln von Denken, Fühlen oder Verhalten, das ich an anderen kritisiere oder bewundere, das Spiegeln durch Tiere, das Spiegeln von Krankheiten oder Ängsten vor Krankheiten, das Spiegeln von Lebenssituationen und das Spiegeln durch die Natur, ermöglicht sich eine ganz große Chance, das Unbewusste sichtbar zu machen und besser zu verstehen.

Folgende Reaktionsarten erleben wir beim Spiegeln: 

1. Uns gefällt, was wir im Außen sehen und erleben

2. Uns gefällt nicht, was wir im Außen sehen und erleben

3. Wir sehen es, doch uns interessiert es nicht und unsere Emotionen bleiben aus 

4. Wir sehen es, empfinden Mitgefühl, doch wir sind frei von Wertungen

5. Wir sehen es gar nicht

Die Punkte eins bis vier sind für uns grundsätzlich spannend, denn das ist das, womit wir uns tagtäglich auseinandersetzen, bewusst und unbewusst. Mit anderen Menschen, Situationen und letztendlich immer mit uns selbst.

Mein Wunsch besteht darin, Betroffene dabei zu unterstützen, ihre eigenen Anteile im Spiegel wahrzunehmen. Jedoch die Aufgabe und die Verantwortung, diese Anteile tatsächlich aufzulösen, liegt in den Händen des einzelnen Betroffenen.

Die nachfolgenden Fragen zu Kritik und Bewunderung haben mir geholfen, den Teil des krankhaften Narzissmus, welcher sich so lange in meinem Leben spiegelte, größtmöglich aufzulösen, sodass ich heute von mir sagen kann: „Es geht mir wirklich gut“.

Die Fragen für den Spiegel der Kritik: 

  1. Worum exakt geht es?

  2. Denke, fühle oder tue ich das auch, mit mir oder anderen?

  3. Habe ich das in der Vergangenheit gedacht, gefühlt oder getan, mit mir oder anderen

  4. Denke, fühle oder tue ich womöglich genau das Gegenteil von dem, was ich an anderen kritisiere, und bin ich womöglich zu extrem darin?

  5. Würde ich gerne so denken, fühlen oder handeln?

  6. Hat sich in der Vergangenheit schon einmal jemand mir gegenüber auf diese Weise verhalten, wie ich es heute am anderen kritisiere? Hat es mich damals schon gestört und habe ich es damals zur Sprache gebracht? 

  7. Hat sich in der Vergangenheit schon einmal jemand anders gegenüber einem anderen so verhalten und habe ich es miterlebt? Wenn ja, wie war das für mich?

  8. Wenn nichts davon passt: Kann es sich um eine übertragene Botschaft handeln? (Was bedeutet z.B. Unpünktlichkeit für mich? Hat es womöglich etwas mit Wertschätzung oder Achtsamkeit, oder gar anderen Themen zu tun?)

  9. Was erkennst du für dich?

Die Fragen für den Spiegel der Bewunderung sind identisch. Ich habe lediglich bei der Frage 4 das Wort kritisiere gegen bewundere und die Frage 6 gestrichen und gegen die Folgende ersetzt:

  1. Habe ich in der Vergangenheit schon einmal jemanden getroffen, der genau das hatte, was ich heute so bewundere, und habe ich es damals schon an dieser Person bewundert? Wie haben andere auf diese Eigenschaft reagiert?

Ich habe mir eine Liste mit all den Dingen, die ich am anderen kritisierte und bewunderte, erstellt und bin jeden einzelnen Punkt anhand dieser Fragen durchgegangen. Nun, anfangs war es wirklich nicht leicht. Ich habe immer wieder Widerstände in mir gespürt. Doch mit der Zeit konnte ich sogar über mein eigenes, zum Teil stures, Verhalten lachen.

Der Narzisst spiegelt sich ja auch in mir, er sieht Anteile von sich selbst, welche er ab einem frühen Zeitpunkt in seinem Leben verdrängen musste und folglich gelernt hat, dass diese Anteile etwas Schlechtes und hinderlich im Leben sind wie beispielsweise Trauer oder Schwäche in Form von Fehlern, die im Leben gemacht werden. Doch er sieht auch positive Dinge in mir wie Leichtigkeit, echte Freude, Liebenswürdigkeit. Er sieht diese Dinge, weil sie auch in ihm vorhanden sind. Er bekämpft diese Anteile in sich selbst, indem er mich bekämpft, weil er an diese Dinge nicht mehr glaubt.

 

Wenn ich davon überzeugt bin, dass der Prozess, sich von einem Narzissten zu befreien, schwer und langwierig und womöglich sogar unmöglich ist, und ich dies auch bei anderen Betroffenen so sehe und höre, dann sehe und höre ich letztendlich wieder nur mich selbst und meine eigenen Gedanken, Einstellungen und Verhaltensweisen in dem des anderen.

Es lohnt sich, wenn man den Fokus auf Betroffene legt, die davon überzeugt sind, diesen Prozess leichter und kürzer zu schaffen und dies auch erzählen und tatsächlich Stück für Stück erleben. Denn diese Menschen, Einstellungen, Gedanken und Verhaltensweisen sind auch wieder nichts anderes als man selbst. 

Ich habe mich für den letzteren Weg entschieden. Wie entscheidest du dich?

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