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Genuss in Maßen: Co-Narzissmus & Liebe

Der Genuss in Maßen bzw. die Mäßigung beinhaltet die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle und Verhaltenstendenzen angemessen auszudrücken oder zu beschränken. Die Kernprozesse sind das Wahrnehmen, Entscheiden und Handeln.

Studien kamen zu dem Befund, die Mäßigung auch ein Prädiktor von Wohlergehen, akademischem Schulerfolg, schulischer Anpassung bei Erstklässlern und Beliebtheit bei anderen. Wurde Mäßigung in der Kindheit und Jugend vorgelebt, erwies sich dessen Auswirkung als positiv in Bezug auf das soziale Niveau im Erwachsenenalter. Darunter ist die Intensität der erfolgreichen Bewältigung von Lebensaufgaben in Partnerschaft, Beruf und auf persönlicher Ebene im Sinne einer gelingenden Selbstregulation zu verstehen. Es gibt dabei drei Grundhaltungen, davon zwei fehlerhafte, durch Übermaß und Unzulänglichkeit gekennzeichnet (Maßlosigkeit) und eine richtige, die Mitte bzw. auch als Balance bekannt.

Beispiele für maßvolle Tendenzen sind die folgenden konkreten Verhaltensweisen:

  • Vertrauen schenken und Freiräume zulassen, um so die Kontrolle zu mäßigen

  • Realistische Termine setzen, um sinnlosen Druck zu minimieren

  • Wertschätzender Umgang auch in Konflikten

  • Wut, Ironie, Sarkasmus zügeln

  • Leistung angemessen belohnen, da sonst Macht und Not ausgenutzt wird

  • Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit und der von anderen achten. Ein guter Umgang mit Ressourcen steht hier im Vordergrund

  • Ehrlich und aufrichtig mit anderen und mit sich selbst umgehen

  • Die Wahrheit auszusprechen bzw. die Realität zu akzeptieren

  • Kreativ (mit dem Feind) umgehen

  • Respekt zeigen

  • Schlechte Leistung und eigene Fehler offen eingestehen

  • Offen mit eigener Angst, Scham und Schuld umgehen

  • Ressourcen und Gewinne angemessen verteilen

  • Rationale Zurückhaltung, Selbstbeschränkung, Selbstkontrolle und Duldsamkeit in Situationen, die Ärger oder Ungeduld provozieren, werden als Elemente hervorgehoben

Durch gemäßigte Verhaltensweisen, Präsentation von Gedanken und Gefühlen sowie Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion der aktuellen oder vergangenen Ereignisse, Bedürfnisse, Wünsche, Ziele, Pläne, Fantasien, Träume, Selbst, Familie, Psychodynamiken, Persönlichkeit, Wissen, Konflikte, Stärken sowie Schwächen, kann ein Mensch das gesunde Maß finden.

Das Konstrukt der Mäßigung dient hier also mit Eigenschaften, die Menschen vor Unmäßigkeiten und Exzessen schützen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass es hier nicht um Verzicht geht, sondern lediglich um eine Minderung, die wieder zu einer gesunden Balance tendiert.

Der Gegenpol der Mäßigung ist die Maßlosigkeit, die zu inneren sowie äußeren Übelständen führt, wenn demnach eine Person dem Kleineren eine zu große Gewalt gibt. Das kann man sich folgendermaßen vorstellen: Eine Person gibt ihrem Körper zu viel Nahrung oder ihrer Seele spürbare Gewalt. Die Balance gerät außer Kontrolle und flüchtet sich beispielsweise in Krankheiten. Eine Verbindung dazu bringt auch der Exzess mit sich, unter dem man eine Ausschweifung bzw. eine außerordentliche Intensität von Emotionen oder Verhaltensweisen verstehen kann, wie exzessives Trinken von Alkohol. Unter Maßlosigkeit kann man also im Großen und Ganzen das Überschreiten des rechten Maßes verstehen, welches mit negativen Konsequenzen verknüpft ist 

Welche Konsequenz trägt eine Person, die sich nicht aus einer toxischen Beziehung mit einem Narzissten befreien kann? In erster Linie ist es der Dauerstress. Dieser zeichnet sich aus durch:

Herzklopfen, Beklemmungsgefühle, Atemnot, Erschöpfung, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Unterleibsschmerzen, Magengeschwüre, Antriebsschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten, häufige Erkältungen oder andere Infekte, kardiovaskuläre Erkrankungen, chronische Müdigkeit, Hautkrankheiten, psychische Symptome wie Ängstlichkeit und Depression, PTBS, Verbitterungsstörung etc.

Darüber hinaus wird das eh schon angekratzte Immunsystem zusätzlich beeinflusst und belastet durch Lebensmittel, die z.B. Farbstoffe, Emulgatoren, Geschmacksstoffe, viel Zucker und künstliche Süßstoffe beinhalten, eine Fehlernährung (Überernährung, Vitalstoffmangel), Genussmittel (Alkohol, Kaffee, Tabak, Drogen, Süßes), Bewegungsmangel, Medikamente wie Antibiotika, Cortison, Schmerz- u. Grippemittel, Antibaby-Pille, und mögliche Infektionen wie Pilze, Bakterien, Viren.

All das klingt nicht nach einem Leben in Balance. Ganz im Gegenteil wird hier deutlich, dass Maßlosigkeit und gar der Exzess die Macht besitzen.

Der Co-Narzisst kämpft weiter um die Beziehung mit dem Narzissten und schenkt ihm maßlos seine *Liebe*. Doch ist es wirklich Liebe? Könnte es nicht einfach das Leiden sein?

Eine Sucht, egal in welcher Form, spiegelt eine maßlose Verhaltensweise.

Wenn der Co-Narzisst also meint, Liebe/Leid (im Übermaß) zu auszudrücken, seine Grenzen nicht zu wahren, nicht zu gehen wenn keine Wertschätzung in der Beziehung gelebt wird, sich körperlich und psychisch zu zerstören, hat er in seiner Kindheit kein gesundes Maß an hilfreichen Überlebensstrategien mitgegeben bekommen.

Das Konstrukt der Mäßigung ist glücklicherweise gut erlernbar, sofern man sich auf diesen Prozess einlassen möchte. Die maßlosen Verhaltens- und Denkweisen sind subjektiver Natur und können mit etwas Mühe korrigiert werden. Doch zuallererst ist es wichtig zu wissen, wo genau man im Gesamten in seiner aktuellen Lebenssituation steht. Dies kann in erster Linie ein psychologischer Test aufzeigen.

Die eigenen Charakterstärken, verbunden mit der Mäßigung, wie Vergebungsbereitschaft, Bescheidenheit, Vorsicht und Selbstregulation können anhand eines psychologischen Tests, dem VIA-IS ermittelt werden. Die Durchführung und Auswertung der deutschen Version des Tests erfolgt kostenlos im Internet unter:

http://www.charakterstaerken.org

Nach diesem Test ist man dem Genuss der Mäßigkeit ein wenig nähergekommen.

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