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Die Maske der Macht

 

Machtmissbrauch unter dem Deckmantel der Erziehung: Perfekte Tarnung

 

Die 10 Gebote:

 

 

Grundwerte der 10 Gebote:

 

  1. Der Glaube an Gott

  2. Die Ehrfurcht vor Gott

  3. Die Verehrung von Gott

  4. Die Familie

  5. Das Leben

  6. Die Liebe und Ehe

  7. Das Eigentum

  8. Die Wahrheit

  9. Die Treue

  10. Der soziale Frieden

 

Die Bibel sagt (Sirach 30,1): »Wer sein Kind liebhat, der hält es stets unter der Rute, dass er hernach Freude an ihm erlebe.«

 

Im Jahre 1748 waren viele Menschen der Meinung (wessen Meinung eigentlich?), dass man die ersten drei Jahre eines Kindes mit Gewalt und Zwang befüllen kann, da Kinder mit den Jahren alles vergessen, was ihnen in der ersten Kindheit mit einer Schärfe, die nötig war, angetan wurde. Kann man da den Kindern den Willen nehmen, so erinnern sie sich hernach niemals mehr, dass sie einen Willen gehabt haben und deswegen keine schlimmen Folgen erleiden.

 

Zu der Zeit (1752) glaubten viele Menschen (auch Eltern) weiterhin, dass das Kind ihnen die Herrschaft rauben will, und sie deshalb befugt waren, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Dieses Schlagen sollte kein bloßes Spielwerk sein, sondern das Kind sollte davon überzeugt werden, dass die Eltern seine Herrscher sind. Demnach Erziehungsgrundsätze wie solche, dass Wünsche oder Anordnungen der Eltern und aller Erwachsenen unverzüglich zu befolgen waren und man sich durch nichts davon abhalten lassen dürfe. Was diese sagten, sei immer richtig. Bis in die letzte Zelle sind solche Grundsätze von den Kindern verinnerlicht worden.

 

Was passiert, wenn erwachsene Menschen nicht denken, nicht hinterfragen, nicht kritisieren? Andere, fremde Menschen verfügen dann über ihre Gedanken, sie werden fremdgesteuert. Lernt man das schon gar im Säuglingsalter, sind die Folgen, so weiß man das heute im Jahre 2018, verheerend. Doch wissen das wirklich alle Menschen? Nächstenliebe, Selbstaufgabe, Opferbereitschaft. So schön diese Worte klingen, so viel Grausamkeit kann sich in ihnen verbergen, allein weil sie dem Menschen aufgezwungen werden und dies schon zu einer Zeit, in der die emotionalen und kognitiven Voraussetzungen der Nächstenliebe im kleinkindalter unmöglich vorhanden sein können.

 

Die Liebe des Kindes zu den Eltern lässt jede bewusste oder unbewusste seelische Grausamkeit der Eltern, eine Entdeckung dieser nahezu unmöglich zu. Das Kind MUSS alles aushalten, was der Erwachsene nicht im Stande ist zu tragen. Den Eltern ist die Liebe des Kindes sicher, es darf sie für die seelischen Grausamkeiten nicht bestrafen, da die Eltern sich auf das 4. Gebot berufen (emotional erpresserisch versteht sich). Solange das Kind nicht merken darf, was ihm einst geschah, ist ein Teil seines Gefühlslebens eingefroren und seine Sensibilität für die Demütigungen der Kindheit daher abgestumpft.

 

Die Abhängigkeit des Kindes von der Liebe seiner Eltern macht es ihm auch später unmöglich, die Traumatisierungen zu erkennen, die oft das ganze Leben lang hinter den Idealisierungen der Eltern der ersten Jahre verborgen bleiben.

 

Das Bewusstsein mancher Menschen ist noch weit von der Erkenntnis entfernt, dass das, was dem Kind in den ersten Lebensjahren angetan wird, unweigerlich auf die ganze Gesellschaft zurückschlägt. Psychosen, Drogensucht, Kriminalität, Prostitution ist lediglich ein verschlüsselter Ausdruck der frühesten Erfahrungen.

 

Diese Kinder lernen, dass jede bewusste oder unbewusste Grausamkeit, gepaart mit einer Prise Freundlichkeit der Eltern, Ausdruck ihrer Liebe sei. Diese Überzeugung bleibt ganz tief im Menschen verwurzelt, weil sie dies in den ersten Lebensmonaten verinnerlicht haben, also in der Zeit vor der Trennung vom Objekt (meist der Mutter), entwicklungspsychologisch ausgedrückt. So erzogene Kinder merken häufig noch im hohen Alter nicht, wenn sie von einem Menschen missbraucht werden, solange dieser freundlich mit ihnen spricht.

 

In den ersten zwei, drei Jahren kann man unendlich viel mit dem Kind machen, es biegen, über es verfügen, ihm gute Gewohnheiten beibringen, es züchtigen und strafen, ohne dass der Erzieher bestraft wird, ohne dass das Kind Rache nehmen kann für diese Grausamkeiten der Eltern. Nur wenn es sich wehren darf, wenn es seinen Schmerz und Zorn artikulieren darf, ist es ihm möglich, in seiner Weise zu abzureagieren. Die Eltern können die Reaktionen des Kindes (den Schrei, die Trauer, die Wut) nicht ertragen und verbieten ihm mit Hilfe von Blicken oder anderen Erziehungsmaßnahmen angemessen auf erlittene Kränkungen, Demütigungen und Vergewaltigungen zu reagieren. Das Kind lernt, stumm zu sein. Diese Erlebnisse werden infolgedessen nicht in die Persönlichkeit integriert. Stattdessen werden die Gefühle unterdrückt, das Bedürfnis, sie zu artikulieren, bleibt ungestillt, und zwar ohne Hoffnung auf Erfüllung. Im Erwachsenenalter findet dann eine endlose Jagd statt, die unbewussten Traumata mit den dazugehörigen Gefühlen artikulieren zu dürfen, die die meisten Menschen in schwere seelische Not bringt.

 

Im Buch von Katharina Rutschkys: Schwarze Pädagogik (1977) findet sich eine Sammlung von Erziehungsschriften, in denen alle Techniken der frühen Konditionierung zum Nicht-Merken dessen, was eigentlich mit einem geschieht, so klar beschrieben werden, dass sie von der Realität her Rekonstruktionen bis in die heute Zeit bestätigen.

 

Die größte Sorge bereitet den Erziehern die Halsstarrigkeit, der Eigensinn, der Trotz und die Heftigkeit der kindlichen Gefühle. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass mit der Erziehung zum Gehorsam nicht früh genug angefangen werden kann. Wo der Eigensinn und die Bosheit nicht vertrieben werden, da kann man unmöglich einem Kinde eine gute Erziehung geben. (Heute finden sich zahlreiche Bücher, Coaches etc., die den Menschen wieder zu einem gesunden Selbstwert führen möchten, also zu dem, was einem früher verboten wurde, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln).

 

Ein Kind, das gewohnt ist, seinen Eltern zu gehorchen, wird auch, wenn es erwachsen ist, sich den Gesetzen und Regeln der Vernunft gern unterwerfen, weil es einmal schon gewöhnt ist, nicht nach seinem Willen zu handeln. Dieser Gehorsam ist so wichtig, dass eigentlich die ganze Erziehung nichts anderes ist, als die Erlernung des Gehorsams. Diese Form der Erziehung kommt noch immer in der heutigen Zeit in verdeckten Masken vor.

 

Die heutigen Motive der Misshandlungen sind die gleichen geblieben: die Eltern kämpfen bei ihrem Kind um die Macht, die sie bei ihren eigenen Eltern eingebüßt haben. Das eigene Trauma, an das sie sich nicht erinnern können, erleben sie bei den eigenen Kindern zum ersten Mal, und tragischerweise finden sie jetzt erst den Mut, also beim schwachen Kind, sich ganz oft massiv zu wehren. Wiederholungszwang! Nicht nur an eigenen Kindern findet diese Form der Projektion statt, sondern auch an Ersatzpersonen, wie dem Partner, Autoritäten, Geschwistern etc. Wenn also sehr viele Erwachsene als Kinder Misshandlungen ausgeliefert waren, die sie nicht angemessen mit Gefühlen und Handlungen ausdrücken konnten, und diese Erwachsenen heute sich an Ersatzpersonen sozusagen rächen, in Form von Wiederholungszwang und Projektion, MUSS doch dem Leser dieses Artikels spätestens jetzt das Ausmaß dessen in der heutigen Gesellschaft klar werden. Oder doch nicht? In unserer Gesellschaft gilt unausgesprochen, dass diese Behandlung für die Kinder gut sein soll und deshalb von Generation zu Generation weitergegeben, weiterverschenkt wird. Wie großzügig!

 

Das bewusste Einsetzen der Demütigung, das die Bedürfnisse des Erziehers befriedigt, zerstört das Selbstbewusstsein des Kindes, macht es unsicher und gehemmt. Das hat die meisten Menschen früher nicht gekümmert. Oder aber sie wussten es wirklich zu der Zeit nicht besser. Weiß man es in der heutigen Zeit besser? Die Maske der Freundlichkeit hilft, die grausame Behandlung noch besser zu verbergen.

 

Wir sind so gewöhnt, alles, was wir hören, als Vorschriften und Moralpredigten zu empfangen, dass auch reine Informationen als Vorwürfe erlebt und deshalb gar nicht aufgenommen werden können.

 

„Die Verachtung und Verfolgung des schwachen Kindes sowie die Unterdrückung des Lebendigen, Kreativen, Emotionalen im Kind und im eigenen Selbst durchziehen so viele Bereiche unseres Lebens, dass sie uns kaum mehr auffallen. Mit verschiedener Intensität und unter verschiedenen Sanktionen, aber fast überall findet sich die Tendenz, das Kindliche, d. h. das schwache, hilflose, abhängige Wesen so schnell wie möglich in sich loszuwerden, um endlich das große, selbständige, tüchtige Wesen zu werden, das Achtung verdient. Begegnen wir diesem Wesen in unseren Kindern wieder, so verfolgen wir es mit ähnlichen Mitteln, wie wir es mit uns bereits taten, und nennen dies Erziehung“. Alice Miller.

 

Was kann man heute aus der Erziehung der Schwarzen Pädagogik zum Gehorsam und dem Brechen des kindlichen Willens ziehen?

 

  1. die Erwachsenen sind Herrscher des abhängigen Kindes

  2. die Erwachsenen bestimmen über Recht und Unrecht wie Götter

  3. der Zorn der Eltern stammt aus ihren eigenen (ungelösten) Konflikten

  4. und sie machen das Kind dafür verantwortlich

  5. die Eltern sind immer zu schützen

  6. die lebendigen Gefühle des Kindes bedeuten für den Erzieher eine Gefahr

  7. das Kind muss so früh wie möglich seines Willens beraubt werden

  8. und alles muss sehr früh geschehen, damit das Kind nichts merke und den Erwachsenen nicht verraten könne

 

Die Mittel der Unterdrückung des Lebendigen waren und sind es heute noch:

 

Fallen stellen, Lügen, Listanwendung, Verschleierung, Manipulation, Ängstigung, Liebesentzug, Isolierung, Misstrauen, Demütigung, Verachtung, Spott, Beschämung, Gewaltanwendung bis hin zur Folter.

 

Die Schwarze Pädagogik vermittelt dem Kind von Anfang an falsche Informationen und Meinungen, welche von Generation zu Generation BLIND weitergegeben und von den Kindern respektvoll übernommen werden. Diese Meinungen sind heute nachweisbar falsch:

 

  1. Pflichtgefühl erzeugt Liebe

  2. Hass könne mit Verboten getötet werden

  3. Eltern verdienen als Eltern Achtung

  4. Kinder verdienen keine Achtung

  5. Gehorsam macht stark

  6. Eine hohe Selbsteinschätzung ist schädlich

  7. Eine niedrige Selbsteinschätzung führt zur Menschenfreundlichkeit

  8. Zärtlichkeiten seien schädlich (Affenliebe)

  9. Das Eingehen auf kindliche Bedürfnisse sei schlecht

  10. Härte und Kälte sind eine gute Vorbereitung fürs Leben

  11. Vorgespielte Dankbarkeit ist besser als ehrliche Undankbarkeit

  12. Das Verhalten ist wichtiger als das Sein

  13. Eltern und Gott überleben keine Kränkung

  14. Der Körper ist etwas Schmutziges und Ekelhaftes

  15. Die Heftigkeit der Gefühle ist schädlich

  16. Die Eltern sind triebfreie und schuldlose Wesen

  17. Die Eltern haben immer Recht

 

WOW! Welch eine grandiose Ideologie. Das ist der Hammer! Solche Lehren konnten die Eltern unter anderem im Methodenbuch für Väter und Mütter der Familien und Völker (1773) und in weiteren zahlreichen Erziehungsratgebern vor ca. 200 Jahren nachlesen und es von Generation zu Generation weitergeben.

 

Wem kommt das bekannt vor? Derjenige darf sich spätestens jetzt empören, schreien, wütend, und zornig sein!

 

Welcher Druck und Terror von dieser Ideologie ausgehen und dass dieser Glauben um die Jahrhundertwende noch auf ihrem Höhepunkt stand, kann man jetzt womöglich besser nachfühlen.

 

Wie kann man heute den, teils unbewussten Wiederholungszwang und die Projektionen auf andere Ersatzobjekte verhindern? Man muss viel tiefer, als nur bei sich selbst, graben. Folgende Fragen sind wichtig:

 

Wie wurden unsere Eltern erzogen? Was mussten und durften sie mit uns machen? Wie hätten wir das als kleine Kinder merken können? Wie hätten wir es mit unseren Kindern anders machen können? Kann dieser Teufelskreis je durchbrochen werden? Was können wir noch für unsere Kinder tun, wenn wir einmal realisiert haben, wie stark wir dem Wiederholungszwang ausgeliefert sind?

 

Einen eigenen Willen und eine eigene Meinung zu haben, galt eben als Eigensinn und war verpönt. Dafür wurden Strafen ausgedacht, wie beispielsweise Leichenbilder gegen den Geschlechtstrieb. Ein Kind konnte sich all dieser Konsequenzen entziehen und es auch mühelos schaffen. Doch zahlte es einen anderen Preis dafür, von dem es noch nichts ahnte. Eine wahrhaft christliche Pädagogik!

 

Wie leben zahlreiche Menschen, an denen diese Form der Erziehung erfolgreich war? Ihre echten Gefühle leben und entwickeln konnten sie womöglich nicht, denn zu diesen Gefühlen zählte der verbotene Zorn und die ohnmächtige Wut. Diese Gefühle lösen sich leider nicht auf, sondern verwandeln sich mit der Zeit in einen mehr oder weniger bewussten Hass gegen das eigene Selbst oder gegen andere Ersatzpersonen und finden dort die bereits erlaubten und gut angepassten Strategien zur Entladung dieser.

 

Gehorsam, Zwang, Härte und Gefühllosigkeit gelten HEUTE nicht mehr als absolut anerkannte Werte. Aber der Zugang, aufgrund des Mangels an Empathie, zu neuen Idealen wird häufig durch das verdrängte Leid der eigenen Kindheit, versperrt.  Diejenigen, die von Kindesmisshandlungen nichts hören wollen oder deren Gefahr verharmlosen, weil sie selbst angeblich eine harmonische und glückliche Kindheit gelebt haben, fliegen genau durch ihren Mangel an Einfühlung auf. Dahinter steckt nichts anderes als die Idealisierung der Eltern und der eigenen Kindheit und das Gebot: Du sollst deine Eltern achten und ehren. So eine Erziehung ist schädlich, auch wenn der Erwachsene ehrlich davon überzeugt ist, im Interesse des Kindes zu handeln.

 

Dahinter stecken folgende Bedürfnisse, laut Alice Miller:

 

  1. Das unbewusste Bedürfnis, die einst erlittenen Demütigungen anderen weiterzugeben

  2. Ein Ventil für die abgewehrten Affekte zu finden

  3. Ein verfügbares und manipulierbares lebendiges Objekt zu besitzen

  4. Die eigene Abwehr, genaugenommen die Idealisierung der eigenen Kindheit und der eigenen Eltern aufrecht zu erhalten, indem durch die Richtigkeit der eigenen Erziehungsprinzipien diejenige der elterlichen bestätigt werden soll

  5. Die Angst vor der Freiheit

  6. Die Angst vor der Wiederkehr des Verdrängten, dem man im eigenen Kind nochmals begegnet und das man dort nochmals bekämpfen muss, nachdem man es vorher bei sich abgetötet hat

  7. Die Rache für die erlittenen Schmerzen

 

Da jede Erziehung mindestens eines der hier erwähnten Motive enthält, ist sie höchstens dazu geeignet, aus dem Kind einen *guten* (Ironie lässt grüßen) Erzieher zu machen, jedoch niemals wird diesem Menschen zur freien Lebendigkeit verholfen.

 

Die Pubertät erzählt das wahre Leben eines Menschen, und zeigt ganz offen, wie die Eltern ihr Kind zu dem Menschen erzogen haben, welches es später geworden ist: ein gut funktionierendes, leistungsfähiges, von vielen Menschen bewundertes Wesen. Die Anorexia Nervosa zeigt beispielsweise alle Details einer strengen Erziehung. Die Diktatur, das Überwachungssystem, die Kontrolle, die Verständnislosigkeit und den Mangel an Einfühlungsvermögen für die wahren Bedürfnisse des Kindes. Die Überhäufung an Zärtlichkeit abwechselnd mit Ablehnung und Verlassen finden in Fressorgien und Erbrechen ihren sichtbaren Weg in die Öffentlichkeit. Bei dem Kind kommt folgende Botschaft der Eltern an: Alle Mittel sind gut, damit Du so wirst, wie wir dich brauchen, denn nur so können wir dich lieben. Der Spiegel der Seele! Spiegelneurone!

 

Auch Fachleute jeglicher Art sind nicht davon frei, denn auch sie sind womöglich Misshandlungen ausgesetzt gewesen, die sie nicht verarbeiten konnten und jetzt ebenfalls an Ersatzobjekten ausleben.

 

Wie man als kleines Kind behandelt worden ist, so behandelt man sich und andere später auch, wobei das qualvollste Leid oft dasjenige ist, welches man sich selbst zufügt. Dem Verfolger im eigenen Selbst, der sich auch als Erzieher tarnt, kann man nirgends mehr entfliehen. In Krankheiten wie beispielsweise der Mager-, Alkohol,-Fress- oder Drogensucht versucht der Mensch, sich der Herrschaft der Eltern zu entziehen, die Leistung zu verweigern, doch im Wiederholungszwang landet er letztendlich doch wieder in einer dauernden Anstrengung, im endlosen Kampf.

 

Noch heute begegnet man oft Menschen, die die strengsten Gesetze befolgen, die größten Mühen auf sich nehmen, grandiose Leistungen vollbringen, deine ideale Karriere machen, aber die Möglichkeit, seinem hilflosen, unglücklichen inneren Kind, welches für immer verbannt wurde, Liebe und Verständnis zu schenken, nicht nutzen. Der Teufel in einem Menschen ist also das lebendige, wache, interessierte und kritische Kind, immun gegen Anpassung. Das Band des Schweigens, des Nicht-fragen-Dürfens, des Nicht-fühlen-Könnens, der wahnwitzigen Vorstellung, man könne ein solches Grauen emotionslos bewältigen, MUSS endlich gebrochen werden.

 

Manchmal fällt es nicht so leicht, einen, durch die Erziehungsstile der Schwarzen Pädagogik, geprägten toxischen Partner zu verlassen, weil immer eine idealisierte Erwartung in der Luft hängt, die gute Seite des Partners durch Anstrengung, Anpassung, Unterwerfung, jeden Wunsch erfüllen, endlich von Dauer sein wird. Solche sado-masochistische Bindung, die auf das doppelte Gesicht (Zuckerbrot/Peitsche) eines Elternteils zurückgeht, ist stärker als normale Liebesbeziehungen und bedeuten permanente Selbstzerstörung.

 

Es fehlt der Sinn für die Entwürdigung des Kindes. Der Respekt für das Kind und das Wissen um seine Demütigung. Mit dem Kind zu fühlen, was es empfindet, wenn es entblößt, gekränkt, gedemütigt wird, bedeutet, dass man seinem eigenen leidenden Kind im Spiegel begegnet. Das können viele Menschen aus Angst nicht ertragen und wehren es ab, und andere können das Erblickte im Spiegel mit Trauer begegnen und akzeptieren. Jedes Kindes kann durch unbewusstes Verhalten einen Elternteil haargenau so kopieren, sodass früher oder später jedes Detail der Erziehung sichtbar wird. Wenn also ein Mensch nach Zuwendung süchtig ist, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass er etwas sucht, was er nie hatte. Unterdrückte Bedürfnisse erscheinen immer auf der Oberfläche.

 

Im guten Glauben eine notwendige Erziehung, doch im Grunde eine Geschichte von Erniedrigungen, Kränkungen und Misshandlungen. Es ist absurd zu glauben, dass ein Mensch nur anständige, liebevolle und gute Gedanken hat und dabei gleichzeitig ehrlich und wahrhaftig ist. Allein diese unmögliche Forderung erfüllen zu wollen, kann einen Menschen an den Rand des Wahnsinns treiben.

 

Der Prozess von der Wut zur Trauer macht es möglich, den Teufelskreis der Wiederholungen zu durchbrechen. Nach einer zornigen Phase darf man über sein Opfersein trauern, man darf darüber trauern, einst das Opfer seiner Eltern gewesen zu sein, man hört auf gegen eigene Schuldgefühle anzukämpfen und man hört auf, ein Verfolger seiner Kinder und anderer Ersatzpersonen zu sein. Die Fähigkeit zu trauern verbindet diesen Menschen mit seinen Kindern und anderen Menschen und lässt ihn seine Vergangenheit, sein altes Schicksal akzeptieren. Die Emotionen und der Körper vereinen sich.

 

Das Risiko ist hoch, der Preis dafür groß, denn die falschen Informationen der Schwarzen Pädagogik verstummen. Eigenen Kindern kann man den gleichen Respekt entgegenbringen, den man immer schon den eigenen Eltern entgegengebracht hat, und dieses Kind kann und wird alle seine Fähigkeiten im besten Sinne entwickeln, auch das eigene innere Kind jedes Erwachsenen, nachträglich. Man kann sich sogar vorstellen, wie die Erziehung der Eltern und Großeltern abgelaufen ist und ihre damals durchlebten Gefühle in sich spüren und Mitgefühl empfinden. Denn es gibt keine Schuldigen. Es sind Menschen, die es nicht besser wussten, die geglaubt haben, dem Kind etwas Gutes zu tun. Das finde ich wirklich tragisch.

 

Heute wird man vor den eigenen Gedanken gewarnt. Glaube nicht das, was du glaubst, denn es könnte nicht dein eigener Glaube sein.

 

Vielen Dank.

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Kommentare: 1
  • #1

    Leonie Akkordeon, (Montag, 10 September 2018 04:51)

    Was für ein Hammer Artikel!! Er wird jedem, der das liest, jede warme Decke wegziehen. Ich hoffe und wünsche mir, das genau das geschieht. Zuviele Therapeuten, die von sich behaupten, sich ihrer selbst wirklich bewusst zu sein, frönen auch weiterhin der reinen Symptombehandlung und dieser schwarzen Pädagogik. So ist natürlich auch keine echte Heilung möglich. Und kommt man erst oft auf diesen (Heilungs-) weg erst, wenn man "ganz unten" angekommen ist. Der Verleugnungsmechanismus und die "Gesellschaftsnormen" sind einfach zu stark. "Erfolgreiche" toxische kommen da so gut wie nie"ganz unten " an. Diejenigen, die" bereit " zur Heilung sind, MÜSSEN diese Reise ganz allein(lebend) tun. Sie werden auch" Allein lebend sein wollen "Die meisten Frauen mit Kindern und(oder) auch Hund und Kegel, sind es aber eben nicht. Wirklich allein. Ich welch kranker Welt wir doch alle existieren(müssen).... Danke, Sabina, für diesen Artikel.