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Leonard Anders packt aus

Ein Gastbeitrag von Leonard Anders

 

Die Bezeichnung „Narzisst“ ist eine Erklärung, eine Maske, ein Schutzschild. Ein Glaubenssatz. Eine Überlebenstechnik.

Wer bin ich? Woran glaube ich?
Leonard Anders, der Autor des Buches - Ein Narzisst packt aus -  ermöglicht dem Leser einen tiefen Einblick in die komplexe Welt eines Menschen mit der Diagnose "Narzisstische Persönlichkeitsstörung".
Ich bedanke mich herzlichst bei Leonard Anders für seinen tiefsinnigen  Beitrag, den er exklusiv für meine Break The Bond - Leser   verfasst hat:

 

Warum dem Narzissmus zu viel Bedeutung zugeschrieben wird und was das mit uns macht

- Über den Umgang mit eigenen Wahrheiten und Glaubenssätzen -

 

Als ich das Buch geschrieben habe, war ich felsenfest davon überzeugt ein Narzisst zu sein. Ich hatte enormen Leidensdruck. Ich war hilflos und am Ende meiner Kräfte. Ich begab mich in eine stationäre Therapie, wurde untersucht und dann diagnostiziert. Als Diagnose stand dann da, F61.0, also kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, emotional instabilen und paranoiden Anteilen. So habe ich das auch in meinem Buch beschrieben.

 

Mittlerweile sehe ich das komplett anders. Ich bin mir sicher, einige wird das jetzt erstaunen, wenn nicht sogar triggern. Menschen, die mich in anderen Gruppen „mit ihren Augen“ erlebt haben und sich entsprechend „ihre Wahrheiten“ gebildet haben, könnten sich aufregen und meine „Wahrheit“ als Scheuklappenmechanismus bezeichnen, oder mir eine Lüge vorwerfen. Wenn dem so ist, kann ich das leider nicht ändern, aber ich halte sie nicht davon ab, es zu denken, denn auch sie haben ein Recht auf ihre eigene Wahrheit. 

 

Frage 1:

Wozu brauchen wir eine Bezeichnung (mit teilweise stigmatisierender Behaftung) für Etwas, was in jedem von uns steckt?

 

Ja, sie alle haben es ja schon erkannt und auch zugegeben, dass in jedem diese Anteile stecken, die von irgendwelchen Dogmen (also Aussagen von Menschen die (auch nur) EIN TEIL der Gesellschaft sind)- sei es im ICD-10, im DSM-IV, von den Medien oder Menschen (mit wiederum eigenen Wahrheiten) mit therapeutischer Ausbildung- aufgeschrieben worden sind und als „subjektive, wenn auch teilweise wissenschaftlich erforschte“, Wahrheit verkauft werden. Weil es dort steht, muss das richtig sein! Wir kennen es nicht anders. Wir haben es nicht anders gelernt.  Borderline ist das. Narzissmus ist das. Kann man so machen, muss man aber nicht. Das ist meine Meinung.

 

Frage 2:

Könnte es auch anders sein?

 

Manche von Ihnen werden dies jetzt sicherlich verneinen. Warum soll man etwas in Frage stellen, was sich für einen selbst so schön anhört, einem vielleicht sogar Frieden gibt, Genugtuung oder eben das Gefühl nicht verantwortlich zu sein. Warum etwas in Frage stellen, was einem hilft sich in Sicherheit zu wägen, dass nur andere so sind, man selbst aber nicht?  So zu handeln ist menschlich. Da mache ich niemandem einen Vorwurf. Ich war selbst mal so.

 

Doch dann habe ich eine Erkenntnis gewonnen. Diese Erkenntnis haben vor mir schon viele andere Menschen bekommen. Nur diese stehen nicht so im Rampenlicht wie ich. Deswegen haben diese Menschen es auch nicht nötig, ihre Erkenntnis zu publizieren.

 

Warum ich das mache? Weil man mich darum gebeten hat und ich mein Einverständnis dazu gegeben habe.  Ich sehe das auch als meinen Beitrag zum Weltfrieden.

 

Wer hat mich darum gebeten? Sehr viele Menschen und Therapeuten, die eben diese Erkenntnis haben.

 

Muss Ihnen das gefallen? NEIN!

 

Dürfen sie trotzdem anderer Meinung sein? JA!!!

 

Die Erkenntnis

 

Auch ich war mal an Ihrer Stelle. Ich kam aus dem Bauch meiner Mutter zur Welt. Das haben Sie und ich in jedem Falle gemeinsam.

Dann jedoch lernen wir von Menschen (Eltern und andere Bezugspersonen), die es können und wissen sollten (wovon wir ausgingen) und denen wir vertrauen, was wichtig im Leben ist (nämlich Ausbildung einer eigenen Autonomie mit Glück, Selbstliebe und Nächstenliebe). Aber auch unsere Eltern und deren Eltern lernten nur das, was ihnen vorgegeben wurde. Irgendwann erwachten wir und stellten einen erheblichen Mangel fest. Dieses Bild von uns, was uns prägte, konnten wir also nur abwehren oder bekämpfen, es vermeiden oder verleugnen, oder uns dem unterwerfen und daran glauben, um uns mit diesem entstandenen Schmerz abzufinden oder grob gesagt- zu überleben. Es wurde unsere Überlebens- Sicherheits- Bewältigungs- oder auch Glücksstrategie (Sie können das auch anders nennen, das ist Ihre Entscheidung).

 

Ich war also wie Sie auf der Suche nach Liebe und auch ich hatte Angst, diese niemals zu finden. Ich war süchtig nach Anerkennung von anderen und erkrankte dadurch immer mehr. Wenn ich etwas nicht bekam, wo ich dachte, dass es mir zusteht, gab ich anderen die Schuld dafür, dass es mir schlecht ging. Ich wollte immer recht bekommen, alles musste in meinen Augen perfekt sein, allen um mich herum musste es aus meiner Sicht gut gehen, nur damit ich mich ein kleines bisschen sicher fühle und vielleicht auch glücklich bin. Und jeder, der aus meiner Sicht meinem Wunsch nach Sicherheit (auch Geborgenheit genannt) und glücklich sein (sich angenommen und geliebt fühlen) im Wege stand, der musste meinen Strategien entsprechend behandelt werden. (Das heißt in meinem Falle, dass ich immer gegen angekämpft habe oder abgewertet habe, Kontakte abgebrochen habe und die Einsamkeit vorzog).

 

Erinnern Sie sich noch an ihre Kindheit und den Appell tapfer, brav und stark zu sein? Sie waren brav, weil Sie dachten, dass Sie nur auf diese Weise liebenswert seien. Sie blieben stark und verdrängten Ihre Tränen, um weder im Stich gelassen zu werden noch dem Gefühl der Schwäche oder des Versagens ausgesetzt zu sein.

 

Und genau das vermittele ich auch auf meiner Suche. „Die anderen sind für mich nur liebenswert, wenn sie sich mir anpassen und mir somit das geben, wozu ich aufgrund meines unglaublich großem Sicherheitsbedürfnis nicht fähig war. Sie mussten mir die Sicherheit geben richtig zu sein, denn ich hielt mich für falsch. Und manche dieser Menschen unterwarfen sich mir, eben um das, was sie sich von mir erhofften, nicht zu verlieren. Andere brachen den Kontakt ab und einige wenige bekämpfen mich dafür. Es gibt sogar welche, die mich hassen, oder mich zu ihrem Thema machen und das, was ich tue, in Facebook-Foren besprechen. Aber es gibt eben auch eine ganze Reihe von Menschen, die auch diese Erkenntnis hatten und mich deswegen genauso lieben wie ich bin.

 

Ich bin richtig. Ich bin liebenswert. Und ich muss nicht von jedem Recht bekommen. Nichts muss perfekt sein, damit ich glücklich bin, weil ich ja schon glücklich bin. Niemand muss sich in Gefahr begeben, nur damit ich mich sicher fühle, denn dafür bin nur ICH verantwortlich und niemand sonst. Und es gibt deutlich mehr Möglichkeiten als nur zu kämpfen. Ich kann es auch akzeptieren.

 

Ich habe dieses Buch geschrieben, als ich noch einen Namen brauchte für das, was ich bin. Das gab mir eine Identität. Diese Bezeichnung „Narzisst“ war auch eine Erklärung, eine Maske, ein Schutzschild für das, was ich zu sein glaubte. (Ein verletztes inneres Kind). Der Narzissmus ist also auch nur ein Glaubenssatz. Er kann wahr sein. Aber auch nur so wahr, wie ich daran glaube. Mittlerweile weiß ich, dass ich fälschlicherweise angenommen habe, dass dieser Glaube, der einzige und richtige Weg ist.

 

Ich habe schlussendlich erkannt, dass ich ICH bin. Ich bin Leonard. Und ich bin auch anders. Ich bin anders als Sie, mein Name also ist unbewusst bewusst gewählt. Mein Buch soll Ihnen helfen zu sich selbst zu finden. Es erklärt Ihnen mein Leben vor meiner Erkenntnis. Es endet aber mit einem Brief an mich selbst, der als Startschuss für mein neues Leben zu verstehen ist. Es ist mein richtiges Leben. Und darüber bin ich verdammt stolz und sehr glücklich.

 

In Liebe,

Ihr Leonard Anders

 

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