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Langzeit - Se Xy

 

Langzeit Se Xy

 

Dana sitzt in ihrer Küche, genießt einen Karamell-Latte und blättert eine Zeitschrift durch. An einer bestimmten Seite bleiben ihre Fingerspitzen hängen. Ihre Augen kleben förmlich an einem bestimmten Satz: Leidenschaft adé – ganz normal in Langzeitbeziehungen!

 

Verschwindet die Leidenschaft wirklich mit der Zeit?

 

Falls es so ist, warum passiert das? Wie kann man das verhindern?

 

  

Der prickelnde Anfang

In der Anfangszeit ist alles neu, berauschend, spannend! Wir können nicht genug vom Partner bekommen. Wir wollen alles und mehr von ihm wissen und entdecken die Welt neu durch seine Augen. Wir erleben eine hormonelle Achterbahn und übersehen gerne die Realität. Schließlich ist alles in dieser Phase möglich.

 

Später erst beginnt die Selbstfindung und Selbstverwirklichung der Partner. Wir setzen Ziele und schmieden Pläne, mit dem Wunsch, diese auch zu erreichen.

 

Liebe entwickelt sich aus einem Lernprozess heraus

 

Ich möchte dir gerne eine moderne Theorie der Liebe nach Sternberg vorstellen. Er geht von einem Idealzustand der Liebe aus, von dem er annimmt, dass Nähe, Leidenschaft und Bindung zu gleichen Teilen ein Zeichen vollendeter Liebe sind.

 

Die Komponente der Nähe ist emotional, Leidenschaft motivational und die Bindung kognitiv. In den verschiedenen Phasen einer Liebesbeziehung ist die Gewichtung zwar noch unterschiedlich, doch meist gleicht sie sich wieder an. Angenommen, es gäbe keine romantische Liebe, so ist es zu vermuten, dass ausschließlich sexuelle Kontakte vertreten wären. Gäbe es die Bindung und Entscheidung nicht, würde eine Beziehung womöglich einseitig und aus der emotionalen Abhängigkeit heraus agieren. Gäbe es keine Leidenschaft, würde die Triebkraft fehlen, überhaupt auf Menschen zuzugehen und Kontakte vertiefen zu wollen.

  

Die Triade der Liebe

                    Nähe

 
 

Leidenschaft         Bindung/Entscheidungen 

Die Triade der Liebe und ihre Bedeutung:

Mit Leidenschaft verbinden wir alle Gefühle, die mit Sexualität, sexueller Anziehung, dem Verlangen nach Befriedigung und Verschmelzung zusammenhängen. Diese Komponente ist besonders motiviert, möglichst viele Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. Zusätzlich ist sie auf Polygamie ausgerichtet und zeitlich begrenzt.

Die Nähe / romantische Liebe ist emotional und auf nur eine Person fixiert. Sie blendet somit andere Personen und Möglichkeiten für Beziehungen aus. Diese Komponente sorgt für Vertrauen dem Partner gegenüber und lässt uns geborgen fühlen. Intimität mit dem Partner wird als besonders befriedigend erlebt.

Bindung, Entscheidung ist eine kognitive Komponente und bietet einen optimistischen Blick auf eine gemeinsame Zukunft als Paar. Hier entscheiden sich beide Partner dafür, auf Veränderungen von innen und außen gemeinsam reagieren zu wollen und ihre Liebe am Leben zu erhalten sowie gute Zeiten zu genießen und schlechte Zeiten konstruktiv zu bewältigen.

 

Typen der Liebe

Menschen lieben unterschiedlich. Das ist nicht Neues. Doch welche Typen der Liebe gibt es und wie äußern sie sich?

Eros – eine romantische Liebeintensive körperliche Zuneigung

Ludus – eine spielerische LiebeAusleben sexueller Freiheit, unverbindlich

Mania – die besitzergreifende LiebeEifersucht, emotionale Höhen und Tiefen

Pragma – die pragmatische LiebeVernunft und Zweck

Philia – freundschaftliche und tiefe Liebe (ohne Eros)

Philautia – Liebe und Wertschätzung des Selbst

Storge – Liebe in der Familie und engen FreundenVerständnis, Vertrauen und Sicherheit

Agape höchste Form der Liebe, altruistischOpferbereitschaft und Selbstlosigkeit

Daraus resultieren folgende Formen der Liebe: 

 

Anhand dieses Wissens kannst du in aller Ruhe schauen, wie es um eure Beziehung steht. Du kannst jedoch zugleich herausfinden, ob ein bestimmtes widerkehrendes Muster deine Partnerauswahl steuert. Beispielsweise kommen immer wieder Partner auf dich zu, mit denen du zwar eine gewisse Nähe und Leidenschaft verspürst, doch wenn es darum geht, diese Beziehung offiziell zu machen, d.h. sich für eine feste Partnerschaft zu entscheiden, löst sich die Beziehung an diesem Punkt immer wieder auf oder es entsteht ein on/off. Du hast dann den Eindruck, als ob kein Partner dich ernst nimmt und fest mit dir zusammen sein will. Beobachte das und lerne, deine eigenen Verhaltensweisen und Denkmuster aufzudecken und zu verändern.

Was wollen wir in Beziehungen?

Um herauszufinden, was wir tatsächlich wollen, können wir uns Sternbergs Grundfragen zur Hand nehmen und uns regelmäßig wieder folgende Fragen stellen:

•Wie fühle ich mich?

•Wie fühlt sich, meiner Meinung nach, mein geliebter Partner?

•Wie würde ich mich gern fühlen?

•Wie möchte ich, dass sich mein Partner fühlt?

Warum schwindet die Leidenschaft mit der Zeit bei manchen Paaren und bei anderen nicht?

Welche Faktoren beeinflussen unsere Leidenschaft füreinander? Psychologen haben herausgefunden, dass die Leidenschaft füreinander mit der Zeit einfach endet, sie also zeitlich begrenzt ist. Doch wie erklärt es sich, dass es immer wieder Paare gibt, die noch nach sehr vielen gemeinsamen Jahren nicht voneinander lassen können. Was ist ihr Geheimnis? Diese spannenden Fragen haben mich intensiv beschäftigt und ich bin ihnen deshalb auf den Grund gegangen.

Bei meiner Recherche konnte ich vier wichtige Faktoren zusammenstellen, die meiner Meinung nach, unsere Leidenschaft füreinander beeinflussen:

  1. Habituation

  2. Emotionale und kognitive Bewertungen

  3. Schlechte Gewohnheiten

  4. Frühkindliche Bindungserfahrungen

 

Habituation: Damit ist die Gewöhnung an wiederkehrende sensorische Reize gemeint. Dabei geht es hier um ein neuronales Modell, in welchem die Merkmale des Reizes bei häufiger Wiederholung an Neuigkeit verlieren. Mit anderen Worten; der Partner selbst sowie seine Berührungen, Küsse, Geruch, Geschmack etc. verlieren nach häufiger Darbietung den Reiz und das neue und aufregende Gefühl schwindet dahin. Das Interessante hierbei ist, dass nach einer Unterbrechung der Darbietung es wieder zum Neuentfachen des Reizes kommt. Die Habituation ist somit zeitlich begrenzt und sie kann durch interferierende Reize und Prozesse unterbrochen werden (Dishabituation). Es ist gut zu wissen, dass man selbst diesen Faktor beeinflussen kann, indem man für eine Unterbrechung sorgt. Damit meine ich jetzt nicht die Trennung vom Partner, sondern beispielsweise ein Städtetrip mit Freunden, eine neue Fremdsprache erlernen, sich beruflich weiterbilden.

 

Regelmäßig ZEIT nur für sich und in sich investieren.

 

Emotionale und kognitive Bewertungen:

Schauen wir uns einmal einige Funktionen der Emotionen an und wie sie unsere Beziehungen beeinflussen.

  • Emotionen entstehen durch die Einschätzung von Situationen auf der Basis unserer Bedürfnisse, Ziele und Bewältigungsmöglichkeiten

  • Unser Verhalten ist auf eine positive Affektbilanz ausgerichtet. Genauer heißt das, dass der Mensch positive Emotionen erlangen und negative vermeiden möchte.

  • Emotionen resultieren aus Bewertungsvorgängen, welche unbewusst und bewusst stattfinden. Unbewusste (primäre) Bewertungen sind sehr schnell und leiten physiologische Reaktionen ein, noch bevor uns die Bewertung bewusst wird. Erst danach finden die sekundären, also die langsamen, gut überlegten und auf viele Möglichkeiten getesteten Bewertungen und Entscheidungen statt

  • Emotionen beeinflussen, wie wir uns selbst und unsere Umwelt beurteilen

 

Beispiel: Morgiges Treffen mit dem Partner

Primäre Einschätzung der Situation

—> positiv/neutral: Ich freue mich, meinen Partner morgen zu sehen und Zeit mit ihm zu verbringen.

—> negativ: Schon wieder? Oh nein, ich habe gar keinen Bock auf dieses Treffen.

 

Sekundäre Einschätzung des eigenen Bewältigungsvermögens

—> positiv/neutral: Ich lasse mir etwas Schönes einfallen, um unsere Zeit schön und sinnvoll zu gestalten

—> negativ: Ich werde mich nicht bemühen, es hat eh keinen Sinn

 

Unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen spielen eine große Rolle dabei, wie unsere Beziehungen verlaufen. Ich glaube, dass unter dem Aspekt der Bewertung, das Geheimnis glücklicher Paare verborgen liegt. Sie bewerten den eigenen Partner, die gemeinsame Zeit sowie Handlungen positiv, und zwar regelmäßig. Sie suchen womöglich gerne und oft körperlichen Kontakt und zwar beispielsweise das Händchenhalten beim Spaziergang, kleine Berührungen und Küsse beim gemeinsamen Kochen sowie eine liebewolle und wertschätzende Kommunikation.

Bewertungen sind subjektiv. Der Partner muss nicht so denken, fühlen und handeln wie du es tust. Er kann die gleiche Situation aus einem ganz anderen Blickpunkt betrachten und einschätzen. Deshalb ist es an dieser Stelle wichtig, eigene Bedürfnisse und Wünsche zu kennen und diese auch dem Partner mitzuteilen, positiv und konstruktiv.

Die Habituation trägt also einen Teil dazu bei, dass die Leidenschaft durch die Gewöhnung an die Reize geschwächt wird, aber die eigene subjektive Bewertung dieser Reize beeinflusst den Verlauf der Beziehung und somit auch das Erleben der Leidenschaft ganz stark.

  

An sich ist nichts weder gut noch böse.

Das Denken macht es erst dazu.

(William Shakespeare) 

Schlechte Gewohnheiten: Dieser Punkt ist eine Mischung aus der subjektiven Bewertung, unseren Vorbildern und eigener Erfahrung in Sachen Liebe und Beziehungen. Welche Werte haben dir deine Eltern vorgelebt, wie sind sie miteinander umgegangen, welche Dynamik herrschte zwischen ihnen, wurde sich häufig oder weniger häufig umarmt, geküsst, haben sie sich deutlich umeinander bemüht oder eher nicht, wie war die Kommunikation?

Was zählt überhaupt zu schlechten Gewohnheiten in punkto Partnerschaft? Beispiele:

  • die Mühe lässt nach (verminderte Handlung durch Bewertung)

  • der Partner wird als selbstverständlich betrachtet (Bewertung)

  • kaum noch Berührungen, Küsse, liebevolle Worte werden verschenkt

  • Valentinstag? Pah, einfach nur Kommerz (Bewertung)

  • Kaum noch spannende und neue Erlebnisse miteinander

 

Die Liste könnte ich jetzt endlos führen, doch das ist nicht der Sinn dieses Artikels!

Du kannst du dich fragen, warum du das tust, was du tust. Welchen Sinn hat es, woher kommt es, wer hat es dir vorgelebt bzw. von wem hast du es übernommen, dich so und nicht anders in einer Beziehung zu verhalten. Geht es dir damit gut? Geht es deinem Partner damit gut? Wann fühlst du dich ungeliebt? Wann fühlt dein Partner sich ungeliebt?

Hier kann man gemeinsam die schlechten Beziehungs-Verhaltens-Gewohnheiten aufdecken und – wenn man es denn auch will – verändern. Jeder für sich. Der Partner ist immer ein guter Spiegel.

 

Das lodernde Feuer des Anfangs ist möglich

 

Der letzte Punkt ist sehr speziell und betrifft weniger die Leidenschaft als die gesamte Einstellung und Bindung zu anderen Menschen.

Kurzer Abriss:

Welche Liebesstile bevorzugen Menschen aus der Dunklen Triade? Hier die Ergebnisse aus einer Studie von Jonason (2010):

♥ Machiavellismus: alle Stile, außer Eros

♥ Psychopathie: nur Ludus

♥ Narzissmus: Ludus (spielerisch) und Pragma (Vernunft und Zweck)

♥ Dunkle Triade (alle drei zusammengefasst): Ludus und Pragma

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